Klavierabend  Josef Bulva

Freies Musikzentrum
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Donnerstag, 9. März 2017,  20 Uhr
Freies Musikzentrum

Klavierabend Josef Bulva

Bohuslav Martinu: Sonate Nr. 1
Ludwig van Beethoven: Sonate OP 53 C-Dur “Waldstein”
Franz Liszt: Sonate h-moll

 

Josef Bulva, geboren am 9. Januar 1943 in Brünn, Tschechoslowakei, ist eine Ausnahme-Persönlichkeit mit einer beindruckenden Lebensgeschichte. Seine Ausbildung zum Pianisten begann 1950 in der Musikschule im mährischen Städtchens Napajedla, wo seine Familie damals lebte. Die zunächst mäßigen Anfänge im Klavierspiel erfuhren dank der Begegnung mit Professor Václav Lanka eine Wende. Er erfand eine spektakuläre Studienmethode, die sein Schützling mit dem entflammten Willenseifer des romantisierenden Kindes, aber auch einer unglaublichen Disziplin kombinierte. Der junge Bulva feilte täglich stundenlang an seinen manuellen Fähigkeiten, was nach zweieinhalb Jahren zum Erreichen einer erstaunlichen Virtuosität führte und ihm den Ruf eines Wunderkindes einbrachte. Bereits mit 13 Jahren präsentierte er sich dem Publikum mit Klavierkonzerten von Mozart und Liszt und beindruckte mit Spitzenwerken der virtuosen Literatur wie z.B. die Paganini-Variationen von Brahms.

Seine einzigartige Begabung und Leistungen blieben auch der Regierung der damaligen Tschechoslowakei  nicht verborgen. Man nahm das begabte 13-einhalbjährige Kind von der regulären Schule und schickte es zum Konservatorium und schließlich zur Akademie der Künste, wo es – zwei Jahre jünger als seine Mitschüler – sein Studium mit Auszeichnung absolvierte. Die darauffolgende ehrenvolle Ernennung zum Staatssolisten war die logische Konsequenz der Einschätzung des jungen Stars als ein willkommenes Aushängeschild der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik. Die renommierte Position garantierte Josef Bulva nicht nur die Möglichkeit einer konzentrierten Weiterentwicklung, sondern schenkte ihm auch die Chance zum regelmäßigen Konzertieren, aus der seine Podiumssicherheit resultiert.

Der junge Virtuose entwickelte jedoch eine weitere Aktivität, die er selbst als das Wichtigste für seinen künstlerischen Werdegang qualifiziert: Die enge Zusammenarbeit mit Komponisten. Er spielte zahlreiche Uraufführungen von Kompositionen für Klavier – die meisten davon ihm gewidmet – und studierte dabei bei deren Autoren die Funktionen und das Zustandekommen der Musikstrukturen.

Seine Karriere wurde 1971 durch einen schweren Unfall abrupt unterbrochen, dem ein fast einjähriger Krankenhausaufenthalt folgte. Während dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, in den Westen zu gehen, da er überzeugt war, dort seine künstlerischen Ideale besser verwirklichen zu können. Wieder genesen, nutzte er 1972 seine erste Auslandstournee zur Auswanderung. Er wurde Staatsbürger des Großherzogtums Luxemburg und fand parallel in der heimlichen Musikhauptstadt Europas – München – seine zweite Heimat.

Von hier aus öffneten sich Josef Bulva die internationalen Konzertsäle sowie Rundfunk und Schallplattenstudios TELDEC, ORFEO, Madacy, RCA. Bald eilte ihm der Ruf einer einzigartigen Künstlerpersönlichkeit voraus,  die in der Fachwelt gefeiert wurde. Joachim Kaiser nannte ihn den „Pianisten des wissenschaftlichen Zeitalters“. Bulva ließ sich jedoch den Modalitäten des gängigen Musikbetriebes nicht unterordnen. Er zog sich zunehmend von den Konzertpodien zurück, und die Aura des enigmatischen und schwierigen, wenngleich privat zugänglichen Künstler begann, seinen Namen zu umhüllen.

Im März 1996, stürzte Josef Bulva auf einer eisglatten Straße und verletzte sich dabei seine linke Hand an einer Glasscherbe so stark, dass seine Karriere als beendet galt. Der Welt blieb eine Reihe seiner Schallplatteneinspielungen zurück, aus denen die wichtigsten im repräsentativen Buch-CE-Set „The Art of Josef Bulva” neu verlegt wurden (Amazon). Er selbst zog sich nach Monaco zurück, wo er sich einen neuen Lebensinhalt aufzubauen begann.

Doch so vielseitig und erfolgreich seine neuen Aktivitäten auch immer waren, sie schafften es nicht, seine Begabung und seinen Willen, eine Klaviervirtuose zu sein – „Bin geboren, um Klavier zu spielen” – definitiv auszulöschen. In vollkommener Geheimhaltung, mit eisernem Willen und jener Disziplin, die ihn schon als Kind auszeichnete, begann er an der Wiederherstellung der Spielfähigkeit seiner linken Hand zu arbeiten. Nach exzellenter Chirurgie und einer enormen Rekonvaleszenzleistung unter Anleitung von Prof. Beat Simmen, Zürich, erkämpfte er sich seine alte Virtuosität zurück.

Nach 14 Jahren Konzertabstinenz entschied sich Josef Bulva im Winter 2009 zur Rückkehr aufs Podium sowie in die Tonstudios und nahm damit sein lebenslanges Ringen um die Verwirklichung seiner Ideen zur Gestaltung des Klavierklanges wieder auf.

Bei STEINWAY & SONS kaufte er einen der besten Konzertflügel, der in ausgiebiger Kooperation mit seinen Konstrukteuren für seine Ansprüche bearbeitet wurde. Es entstand das Klavier für den „Pianisten unter den Pianisten“, das ihm die Unverwechselbarkeit seines Klanges, die Verwirklichung des Zustandekommens seiner Interpretationsideen sowie eine hindernislose Entfaltung seiner stupenden Technik garantierte.

Doch der vielleicht fundamentalste Aspekt seiner Virtuosität – und gewiss ein origineller Beitrag zur Geschichte der Entwicklung des Klavierspiels – ist die gleichwertige, volle Implementierung des dritten Pedals in die Interpretationsgestaltung. Dies ermöglicht, dass unter seinen Fingern „Musikstrukturen hörbar gemacht werden” und „Berühmtes im neuen Gewand“ erklingt. In der Süddeutschen Zeitung würdigte Wolfgang Schreiber Bulvas Interpretation als „virtuos, präzise und ausgereift. Das Cantabile melodischer Linien erscheint minutiös ausgehört, lyrisch ins Große gedacht, alles Rhythmische stabil in den Raum gestellt. Die musikalisch gesteigerte Reife deutender Fantasie ist unverkennbar, überraschend weich und präzise”.

Der SWR hat einen Film über Bulva gedreht, der unter dem Titel Das große Comeback – Josef Bulvas Weg zurück ins Rampenlicht“ am 17.04.2011 in der ARD ausgestrahlt wurde. Die Fernsehsender 3sat, BR, ARD, SWR, NDR und WDR strahlten Portraits über ihn aus.

Die Firma SONY CLASSICAL, heute Eigentümerin der legendären RCA, sicherte sich für die Zukunft die Rechte an dem dort früher verpflichteten Virtuosen, und produzierte bereits drei neue CDs mit Josef Bulva unter dem renommierten Label RCA RED SEAL, auf dem er Kompositionen von Beethoven, Chopin und Szymanowski spielt.

Im Frühjahr 2015 ehrt die RCA Josef Bulva durch Verlegen eines Doppelalbums mit Einspielungen von 1960 bis 2014, die seine lebenslange Auseinandersetzung mit Kompositionen von Franz Liszt belegen.

 

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